Lebensmittelretterwoche: Kochen mit geretteten Lebensmitteln im Food-Labor der DHBW Heilbronn

Von Redaktion, Fotos: DHBW Heilbronn

Zum Auftakt der Lebensmittelretterwoche in Baden-Württemberg haben Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule Ilsfeld im Food-Labor der DHBW Heilbronn gekocht. Auf den Tisch kamen Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern sowie Produkte mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum, gespendet von Edeka Ueltzhöfer. Mit dabei waren Vertreterinnen und Vertreter aus Bildung, Handel und Politik. Die DHBW Heilbronn beteiligt sich seit 2017 an der Aktionswoche.

58 Prozent. So hoch ist laut Prof. Dr. Beate Scheubrein der Anteil privater Haushalte an den weggeworfenen Lebensmitteln. Der Handel sei hingegen lediglich für sieben Prozent verantwortlich. »Die Endverbraucherinnen und Endverbraucher sind prozentual die größten Verschwender«, sagte die Studiengangsdekanin BWL-Handelsmanagement an der DHBW Heilbronn. Umso wichtiger seien Bildungsangebote, die früh ansetzen und Wissen praktisch erfahrbar machen.

Gerettete Lebensmittel im Food-Labor

Genau darauf zielte das Kochevent an der Hochschule. Eingeladen hatten das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg (MLR), Pro Region Heilbronn-Franken und die DHBW Heilbronn. Außerdem gehörten Edeka Ueltzhöfer, Edeka Südwest und der Handelsverband Baden-Württemberg zu den Gastgebern. Im Food-Labor verarbeiteten die Jugendlichen Obst und Gemüse, das optisch nicht mehr perfekt aussieht, aber einwandfrei genießbar ist. Dazu kamen Produkte mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum.

Neben dem Kochen standen konkrete Alltagstipps im Mittelpunkt. Dabei ging es etwa darum, wie man Lebensmittel richtig lagert und was das Mindesthaltbarkeitsdatum tatsächlich bedeutet. Zudem zeigte die Aktion, wie gute Planung hilft, Abfälle zu vermeiden.

Lebensmittelretterwoche an der DHBW Heilbronn seit 2017

Die Aktionswoche gehört zur Kampagne »Lebensmittelretter« des MLR und weiterer Partner. Sie läuft in diesem Jahr vom 29. September bis 6. Oktober, parallel zur bundesweiten Aktionswoche »Zu gut für die Tonne«. Die DHBW Heilbronn ist seit 2017 dabei. Seither engagieren sich die Studiengänge BWL-Handelsmanagement und BWL-Food Management regelmäßig in Projekten rund um Lebensmittelwertschätzung, nachhaltige Handelsprozesse und weniger Verschwendung.

Die Woche verbinde gesellschaftliche Verantwortung mit praxisnaher Lehre, betonte Scheubrein. Denn auch junge Erwachsene, die an der DHBW studieren, würfen im Alltag noch zu viele Lebensmittel weg. Oft fehle das Wissen, wie man plant, einkauft, Lebensmittel richtig lagert und Reste verwertet. Prof. Dr. Maren Jakob, Studiengangsleiterin BWL-Food Management, begleitete die Aktion ebenfalls. Aus ihrer Sicht ist Verschwendung nicht nur eine Frage von Wissen oder Motivation, sondern auch der Rahmenbedingungen im Alltag. Deshalb plädiert sie dafür, Ernährungsbildung stärker und verbindlicher zu verankern.

Nachhaltigkeit ab Klasse 1

An der Gemeinschaftsschule Ilsfeld gehört das Thema fest zum Schulalltag. »Wir haben ab Klasse 1 Nachhaltigkeit als Ziel«, sagte Rektorin Tanja Bewersdorff. Umgesetzt werde das etwa durch Gemüsebeete überall dort, wo Platz ist. Zudem absolviere jede Schülerin und jeder Schüler den Ernährungsführerschein.

Auch Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin a. D. und Vorsitzende von Pro Region Heilbronn-Franken, setzt auf praktische Bildung. »Es fehlt vor allem an Alltagskompetenzen«, sagte sie. Deshalb sei es wichtig, jungen Menschen ganz praktisch den richtigen Umgang mit Lebensmitteln zu zeigen. Das MLR stellt dafür Schulen und pädagogischen Einrichtungen Materialien und Angebote zur Ernährungsbildung zur Verfügung. Vor Ort vertrat Inge Eversberg, stellvertretende Leiterin der Abteilung Markt und Ernährung, das Ministerium.

Was der Handel beiträgt

Steffen Ueltzhöfer, Geschäftsführer von Edeka Ueltzhöfer, und Michaela Meyer, Geschäftsbereichsleiterin Nachhaltigkeit bei Edeka Südwest, stellten Maßnahmen aus dem Handel vor. Dazu zählt die Lebensmittelrettertüte, mit der Märkte optisch unperfektes Obst und Gemüse oder Backwaren vergünstigt anbieten. Zugleich sieht Ueltzhöfer die Politik gefordert. »Beim Mindesthaltbarkeitsdatum braucht es klare und praxistaugliche Regelungen«, sagte er.

Sabine Hagmann und Sascha Jost vom Handelsverband Baden-Württemberg verwiesen auf Fortschritte. Die Prozesse im Handel hätten sich so stark verbessert, dass selbst die Tafeln teilweise weniger Ware erhielten. Denn es blieben kaum noch Lebensmittel übrig.

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