Von Redaktion, Fotos: Stadt Heilbronn
Robert Mayers Herzkreislauf-Simulator konnte um 1850 nicht nur den Blutdruck darstellen, sondern auch Krankheiten simulieren. Das zeigt ein Forschungsprojekt, das das Stadtarchiv Heilbronn 2022 gestartet hat. Beteiligt waren die SLK-Kliniken, die Universität Stuttgart und das Robert-Mayer-Gymnasium. Bei der Langen Nacht der Kultur am 10. Oktober sind Original und Nachbau zu sehen.
Kurbel, Glaskolben und Metallröhren auf einem Holzpodest: So sieht der Apparat aus, den der Heilbronner Arzt Julius Robert Mayer entwickelte. Zu sehen ist er seit Jahren im Otto Rettenmaier Haus, dem Haus der Stadtgeschichte. Lange gab er der Forschung Rätsel auf. Seit Mitte der 1970er Jahre ist immerhin bekannt, dass es sich nicht um eine »Experimentiermaschine« handelt. Vielmehr bildet das Gerät den menschlichen Blutkreislauf ab, genauer gesagt die linke Herzhälfte. Mayer baute es um 1850 gemeinsam mit dem Heilbronner Mechaniker und Optikermeister Hermann Autenrieth.
Was konnte das Modell?
Offen blieb jedoch, was der Apparat tatsächlich leisten konnte. Ließ sich damit der Blutdruck mit seinen typischen Werten von etwa 120 zu 80 mmHg darstellen? Und konnten Mayer und Autenrieth noch weitere Vorgänge im Herz-Kreislauf-System simulieren? Um das herauszufinden, startete das Stadtarchiv Heilbronn 2022 ein interdisziplinäres Forschungsprojekt.
Dafür vermaßen zunächst die SLK-Kliniken den historischen Apparat per Computertomographie. Auf dieser Grundlage baute das Institut für Biomedizinische Technik der Universität Stuttgart das Modell modern nach. Mit dem Nachbau lässt sich die Funktionsweise nun genau untersuchen. Gemeinsam mit dem Robert-Mayer-Gymnasium betrachteten die Beteiligten außerdem, wie sich das Modell im Unterricht einsetzen lässt. Die Arnfried und Hannelore Meyer-Stiftung und die Heilbronner Bürgerstiftung förderten das Projekt mit insgesamt 30.000 Euro. Hinzu kamen Eigenmittel der beteiligten Einrichtungen.

Robert Mayers Herzkreislauf-Simulator war seiner Zeit voraus
Dabei zeigen die Untersuchungen, dass die Konstruktion Drücke im physiologischen Bereich erzeugen kann. Darüber hinaus lassen sich mit ihr eine Herzklappeninsuffizienz und die Folgen von Arteriosklerose veranschaulichen. Nach heutigem Forschungsstand kann der Apparat deshalb als Herzkreislauf-Simulator gelten.
Bemerkenswert ist laut Stadt Heilbronn vor allem der historische Vergleich. Denn was Mayer um 1850 darstellen konnte, ist in der Medizingeschichte erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Seine Konstruktion nahm also Erkenntnisse vorweg, die sich erst Jahrzehnte später durchsetzten. Zu Mayers Lebzeiten fand die Idee allerdings keine größere Resonanz.
Bekannt ist Julius Robert Mayer, der von 1814 bis 1878 lebte, vor allem für seine Arbeiten zum Energieerhaltungssatz. Die neuen Ergebnisse zeigen nun eine weniger bekannte Seite seines wissenschaftlichen Wirkens.
Original und Nachbau bei der Langen Nacht der Kultur
Bereits am 29. September stellte das Forschungsteam seine Ergebnisse erstmals öffentlich im Haus der Stadtgeschichte vor. Bei der Langen Nacht der Kultur am Samstag, 10. Oktober, sind dort sowohl das Original als auch der Nachbau zu sehen. Zudem widmet sich eine neue Folge des Podcasts »Heilbronner Geschichte(n)« dem Projekt und seinem medizinhistorischen Hintergrund. Zugleich ist die wissenschaftliche Veröffentlichung in Vorbereitung. Außerdem ist ein Beitrag für die nächste Ausgabe der »heilbronnica« geplant. Diese gibt das Stadtarchiv mit dem Historischen Verein Heilbronn voraussichtlich im ersten Quartal 2027 heraus. Weitere Informationen gibt es unter stadtarchiv.heilbronn.de.