Von Redaktion, Fotos: FSTI
Roboter sollen sich künftig so flexibel buchen lassen wie Zeitarbeitskräfte. Daran arbeitet ein Konsortium aus sechs Partnern, das das Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) im Rahmen der Initiative Agentic Robotic Ecosystems zusammengebracht hat. Noch bis mindestens Dezember erprobt es in den Labs des IPAI in Heilbronn Leihroboter und digitale KI-Services. Zielgruppe ist der Mittelstand.
Einen Roboter buchen, wie man eine Zeitarbeitskraft bucht: Das ist das erklärte Ziel des neuen Partnerprojekts. Denn Robotik gilt vielfach als Hoffnungsträger für die deutsche Industrie. Vor allem die rasante Entwicklung KI-gestützter humanoider Roboter kann laut FSTI die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen verbessern. Kleine und mittlere Industrieunternehmen könnten Roboter zunächst erproben. Später ließen sich damit »auf Bestellung« etwa Lastspitzen oder fehlendes Fachpersonal abfedern.
Hürden für den Mittelstand
Bevor Roboter jedoch in Produktion und Logistik arbeiten, sind allerdings mehrere Hürden zu nehmen. Dazu zählen laut FSTI hohe Kosten beim Kauf und unerwartete Kosten bei der Miete. Außerdem kostet es Aufwand, Roboter in die interne IT einzubinden. Zudem muss der Betrieb auch bei wechselnden Aufgaben sicher bleiben. Schließlich ist oft unklar, wie die Miete eines Roboters steuerlich zu behandeln ist.
Genau hier setzt das Konsortium an. Denn es will Robotik zu einer standardisierten, herstellerunabhängigen und flexibel buchbaren Ressource machen. Dabei sollen digitale KI-Services sowohl Sicherheitsfragen als auch betriebswirtschaftliche Abläufe abdecken.

Sechs Partner für Agentic Robotic Ecosystems
Neben dem FSTI sind EY (Ernst & Young), die W. Gessmann GmbH, die ROTH Gruppe, TÜV SÜD und die Wandelbots GmbH beteiligt. Zusammen erproben sie in den Räumen des IPAI Konzepte und digitale Dienste an echten Robotern verschiedener Hersteller. Grundlage sind digitale Zwillinge, in denen die Partner die Aktivitäten der Roboter erfassen und simulieren. Darauf aufbauend entwickeln sie dann KI-Services. Diese sollen später unter anderem bei Angebotserstellung, Dokumentation, Sicherheitsbewertung, Prüfprozessen und Abrechnung helfen.
Jeder Partner bringt dabei eigene Stärken ein. So zeigt Gessmann den autonomen mobilen Roboter GESSbot mit einem Cobot von Techman. Dabei transportiert der GESSbot Material selbstständig zwischen Arbeitsplätzen und bringt den Cobot dorthin, wo Bauteile zu handhaben sind. ROTH entwickelt die Steuerungstechnik und das Konzept der Roboterzelle samt digitalem Zwilling. Wandelbots stellt mit Nova eine herstellerunabhängige Softwareplattform bereit, die unterschiedliche Robotersysteme zusammenspielen lässt. TÜV SÜD bringt seine Erfahrung bei der Bewertung und Zertifizierung sicherheitskritischer KI-Anwendungen ein. EY wiederum engagiert sich im IPAI für den Aufbau eines europäischen Ökosystems für Physical AI.
Erste Roboter laufen bereits
Das FSTI betrachtet zudem kritisch, welche Folgen ein vereinfachter Robotereinsatz für Unternehmen und Gesellschaft hat, etwa für die Sozialversicherungssysteme. Projektleiter ist Prof. Jens Lachenmaier, Professorial Fellow am FSTI. Nach seinen Angaben laufen die Roboter der Projektpartner im IPAI bereits und sind aufeinander abgestimmt. »Darüber hinaus haben wir einen Demonstrator einer Art Buchungsplattform entwickelt, der den Ablauf einer Roboterbuchung von Angebot bis Rechnung abbildet«, sagt Lachenmaier.
Seit seiner Gründung 2015 arbeitet das FSTI als gemeinnütziges, außeruniversitäres Forschungsinstitut unter dem Dach der Steinbeis-Stiftung. Mit 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Heilbronn und Stuttgart entwickelt es Lösungen für eine zukunftsfähige Wertschöpfung.