aim-Bildungsreise nach China: Impulse für die KI-Bildung in Heilbronn

Von Redaktion, Fotos: aim

Im Mai 2026 ist die aim Heilbronn mit einer Delegation nach Peking gereist. Auf der Bildungsreise nach China standen Schulen, Universitäten und EdTech-Unternehmen auf dem Programm. Zurück kamen Bildungspraktiker, Wissenschaftlerinnen und Führungskräfte mit konkreten Impulsen für die KI-Bildung. Ihr gemeinsamer Befund: Über den Erfolg entscheidet die Pädagogik, nicht die Software.

Zurück aus Peking bringt eine Heilbronner Delegation eine Erkenntnis mit, die zunächst überrascht. Über den Erfolg von KI in der Bildung entscheidet nicht die Qualität der Software. Es sind die pädagogischen Entscheidungen. Das gilt in China wie in Heilbronn.

Im Mai 2026 reiste die aim Heilbronn mit einer Delegation nach China. Zu ihr gehörten Bildungspraktiker, Wissenschaftlerinnen, Schulentwickler und Führungskräfte. In Peking besuchten sie Schulen, Universitäten und EdTech-Unternehmen. Dazu sprachen sie mit Vertretern aus Verwaltung und Bildungspolitik über die chinesische KI-Strategie.

Was die Bildungsreise nach China zeigt

In Peking wurde die Konsequenz des chinesischen Kurses sichtbar. Auf Basis des Fünfjahresplans und des Aktionsplans »Künstliche Intelligenz + Bildung« soll die tiefe Integration von KI im Bildungswesen bis 2030 im Wesentlichen abgeschlossen sein. Bis 2035 will das Land zur führenden Bildungsnation werden. Für die Dieter Schwarz Stiftung ist diese Dynamik ein Handlungsauftrag. Jutta Pasch von der Stiftung nennt als Ziel, »die Region Heilbronn digital, mutig und auf Basis ethischer Verantwortung zum Vorreiter einer modernen KI-Bildungslandschaft« zu entwickeln.

Zugleich betont Pasch die Unterschiede. Man müsse die visionäre Dynamik Chinas mit freiheitlich-demokratischen Werten und der Exzellenz deutscher Wissenschaft verbinden, so ihre Einordnung. Für den Bildungscampus in Heilbronn gehe es nun darum, Kooperationen neu zu denken und aus den Erkenntnissen konkrete Modellprojekte zu formen.

Die entscheidenden Fragen sind pädagogisch

Für aim-Geschäftsführer Marco Haaf liegt der Kern der Reise nicht in der Technik. »Unsere Reise nach Peking hat uns neue Perspektiven eröffnet, bestehende Überzeugungen hinterfragt und deutlich gemacht, dass die entscheidenden Fragen der Bildung im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz nicht technischer, sondern zutiefst pädagogischer Natur sind«, sagt er.

Diesen Gedanken vertieft Marius Weinkauf, Gesamtleiter der Josef Schwarz Schule in Heilbronn. »Technologie unterstützt das Lernen, aber sie steuert es nicht«, sagt er. Der »Human in the Loop« sei ein pädagogisches Prinzip, die Lehrkraft werde als Lerncoach noch wichtiger. Wenn KI Routineaufgaben übernehme, entstehe Raum für Begleitung, Feedback und Beziehungsarbeit.

Beim Datenschutz sieht Weinkauf klare Grenzen. In China zeige sich, wie unterschiedlich die gesellschaftlichen Antworten ausfallen. Pädagogische Verantwortung und Persönlichkeitsrechte seien keine Innovationsbremsen, sondern Fundamente einer humanen Bildung. Ein unkontrolliertes und intransparentes Sammeln von Daten lehnt er ab. Je leistungsfähiger die KI werde, desto wichtiger würden menschliche Fähigkeiten wie Kreativität, Empathie und Urteilsvermögen.

Deutschland kann von der Skalierung lernen

Einen nüchternen Blick auf die Praxis wirft Benjamin Köhler, Schulleiter des Königin Charlotte-Gymnasiums in Stuttgart. Chinas Konzepte gingen über klassische AI Literacy hinaus, im Mittelpunkt stehe eine Mensch-KI-Co-Intelligenz. Zwischen Anspruch und Unterricht klaffe aber eine Lücke. An einer renommierten Schule habe eine als Vorzeigebeispiel präsentierte KI-Stunde vor allem darin bestanden, eine Avatar-Anwendung mit Texten und Bildern zu füttern. »Auch China steht erst am Anfang eines tiefgreifenden Transformationsprozesses«, sagt Köhler.

Deutschland stehe technisch und didaktisch nicht schlecht da, so Köhler. Es gebe herausragende Konzepte, innovative Schulen und leistungsfähige Forschungsgruppen. Der entscheidende Unterschied liege jedoch in der Skalierung. Während in China Staat, Forschung und Unternehmen an einer gemeinsamen Vision arbeiteten, entstünden Innovationen in Deutschland oft dezentral. Eine kohärente Strategie zur Verbreitung guter Ansätze sei bislang nur begrenzt erkennbar.

Für die aim und den Bildungscampus ist die Reise damit kein Endpunkt, sondern ein Auftakt. Die Erkenntnisse sollen nun in konkrete Modellprojekte fließen. Alle Berichte der Delegation hat die aim in einem Dokument zusammengefasst.

Melden Sie sich für unseren Newsletter an!