Von: TUM Campus Heilbronn
Wie lassen sich Datenschutz und die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Nachrichten-Websites miteinander vereinbaren? Auf einem interdisziplinären Workshop am TUM Campus Heilbronn diskutierten Forschende sowie Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Praxis den Zielkonflikt zwischen stärkerem Datenschutz und sinkenden Werbeeinnahmen. Das Ergebnis: Mehr Wettbewerb im Angebot an Datenschutz zwischen verschiedenen Webseiten könnte beide Interessen besser in Einklang bringen.
Am 16. Juli veranstaltete die Technische Universität München den Workshop „Privacy, Gatekeepers and Digital Sovereignty“ auf ihrem Campus Heilbronn, um herauszufinden, wie Cookie-Paywalls auf Nachrichtenwebseiten in Zukunft gestaltet werden solltenes. Der Workshop wurde von Dr. Tobias Kircher, Postdoc am Center for Digital Transformation, organisiert und brachte Wissenschaftler aus den Gebieten Wirtschaftsinformatik, Marketing, Volkswirtschaftslehre und Recht sowie Experten aus der Industrie und der Unternehmensberatung zusammen, um die vorhandenen Erkenntnisse zur Bedeutung des Datenschutzes, zu den nachteiligen Auswirkungen von Tracking und zum Ausmaß der Einbußen bei den Werbeeinnahmen durch Datenschutzvorschriften zu bewerten.
Die zentrale Schlussfolgerung des Workshops lautet, dass politische Entscheidungsträger vor einem Zielkonflikt stehen: Neue Daten zeigen, dass Einzelpersonen dem Datenschutz tatsächlich große Bedeutung beimessen – europaweit und über alle demografischen Gruppen hinweg –, während eine Reihe aktueller Forschungsergebnisse durchweg darauf hindeutet, dass Verlage erhebliche Einbußen bei den Werbeeinnahmen (15 – 40 Prozent per Impression) hinnehmen müssten, wenn sie gezwungen wären, eine kostenlose dritte Zahlungsoption ohne verhaltensbasierte Werbung anzubieten.
Wettbewerb im Bereich Datenschutz
Um politischen Entscheidungsträgern dabei zu helfen, den Datenschutz bei Cookie-Paywalls zu stärken, entwickelten die Workshop-Gäste eine ökonomische Lösung: die Förderung des Wettbewerbs durch Datenschutz unter Webseiten-Betreibern, wodurch Verbraucher zwischen mehr oder weniger datenschutzfreundlichen Nachrichten-Webseiten wählen könnten. Politische Entscheidungsträger können den Wettbewerb zwischen Webseiten beim Level an Datenschutz fördern, indem sie das Problem der adversen Selektion durch Datenschutzsiegel und -zertifikate angehen, die das Niveau an Datenschutz auf den Webseiten auf leicht verständliche Weise signalisieren.
Im größeren Kontext liefern diese Erkenntnisse und Lösungen Beiträge zur Debatte über zentralisierte Opt-in-Systeme, bei der mehrere Länder innerhalb der EU zunehmend den Standpunkt vertreten, Wirtschaftswachstum und die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells von Nachrichtenanbietern gegenüber einem höheren Datenschutzniveau zu priorisieren.
Dieser Workshop wurde durch die großzügige Unterstützung der Dr. Hans Riegel-Stiftung ermöglicht und von der TUM School of Management organisiert.