Von Redaktion, Fotos: HHN
Die Hochschule Heilbronn (HHN) öffnet im Wintersemester 2026/27 eine komplette Mastervorlesung zu Quantum Computing und Kryptographie für die Öffentlichkeit. Prof. Javier Villalba-Diez liest zweimal pro Woche live und online, die Aufzeichnungen erscheinen anschließend auf YouTube. Die Teilnahme ist kostenfrei und richtet sich ausdrücklich auch an Fach- und Führungskräfte, Verwaltung und Bildung.
Online-Banking, Behördenkommunikation, Unternehmensdaten: Vieles davon ist heute durch Verschlüsselung geschützt. Genau diese Verfahren könnten Quantencomputer nach Einschätzung der HHN schon in wenigen Jahren knacken. Was nach Science-Fiction klingt, betrifft damit die digitale Infrastruktur und die Cybersicherheit ganz konkret. Deshalb holt die Hochschule das Thema jetzt aus dem Hörsaal heraus.
Eine ganze Mastervorlesung statt eines Einzelvortrags
Die Veranstaltung heißt »Quantum Computing und Kryptographie«. Villalba-Diez, Forschungsprofessor für Quantum Computing an der HHN, bietet sie im Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik der Fakultät Wirtschaft an. Dabei findet sie zweimal pro Woche statt, jede Sitzung dauert 90 Minuten. Der erste Termin ist Dienstag, 29. September 2026. Studierende sowie Gasthörerinnen und Gasthörer verfolgen sie live und online. Im Anschluss erscheint die Aufzeichnung auf YouTube. Auch das begleitende Material stellt Villalba-Diez danach zur Verfügung.
Neu ist dabei vor allem das Format. Statt einer vereinfachten Einführung öffnet die HHN eine fachlich anspruchsvolle Mastervorlesung über ein komplettes Semester. Laut Hochschule ist das in der Region einzigartig. Damit können erstmals auch Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen sowie IT- und Sicherheitsfachleute die Inhalte live mitverfolgen. Ebenso richtet sich das Angebot an Menschen aus Verwaltung und Bildung und an technisch interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Von Qubits bis zur Post-Quantum-Kryptographie
Inhaltlich beginnt die Vorlesung bei den mathematischen Grundlagen. Danach geht es um Qubits, Quantengatter und zentrale Algorithmen. Schließlich widmet sie sich der entscheidenden Frage, warum leistungsfähige Quantencomputer etablierte Verschlüsselungsverfahren grundsätzlich gefährden können. Zugleich zeigt sie, wie sich Unternehmen und öffentliche Einrichtungen mit sogenannter Post-Quantum-Kryptographie dagegen wappnen können.
Offen für Gäste: die Mastervorlesung zu Quantum Computing
Studierende schließen die Vorlesung mit einer Prüfung ab. Externe hingegen hören frei zu und brauchen keinen Leistungsnachweis. Ein mathematisch-technisches Grundverständnis ist laut HHN hilfreich. Entscheidend sei aber vor allem die Bereitschaft, sich fachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
»Öffentlich finanziertes Wissen sollte nicht an der Hörsaaltür enden«, sagt Villalba-Diez in der Pressemitteilung der Hochschule. Deshalb wolle er einen Teil seiner Arbeit unmittelbar an die Gesellschaft zurückgeben. Nicht jedes Unternehmen und jede öffentliche Einrichtung brauche heute einen Quantencomputer, betont er. Allerdings sollten sie sich damit befassen, was die Technologie für Geschäftsmodelle, IT-Sicherheit und den Schutz ihrer Daten bedeuten könne.
Der eigene Quantencomputer auf dem TechCampus
Die offene Vorlesung folgt auf einen weiteren Schritt der HHN. Erst kürzlich kam auf dem TechCampus ein eigener Quantencomputer an. Nach Angaben der Hochschule ist es der erste an einer deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften. An der IT-Fakultät gibt es zudem bereits ein etabliertes Angebot an Vorlesungen zum Quantencomputing. Das öffentliche Format ergänzt es und trägt das Wissen über den Campus hinaus.
Links und Material zur Vorlesung sind hier zu finden.